Drucke tempern: So steigern Sie die Hitzebeständigkeit von PLA
Tempern ist das nachträgliche Erhitzen eines fertigen Teils über den Glasübergang des Materials, bei dem sich das Polymer teilweise zu einer kristallinen Struktur ordnet. Meist macht man es mit PLA, damit es mehr Temperatur aushält.
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Inhalt
So funktioniert das Tempern
Der Begriff stammt aus der Metallurgie, wo Glühen die Wärmebehandlung eines Werkstoffs zum Abbau innerer Spannungen bedeutet. Bei Kunststoffen gilt ein ähnliches Prinzip. PLA kühlt beim Druck so schnell ab, dass es überwiegend amorph bleibt. Erhitzen Sie es dann über den Glasübergang, also über etwa 60 °C, können sich die Ketten bewegen und teilweise zu Kristallen ordnen. Das nennt man Kristallinität.
Das Ergebnis ist ein Teil, das nicht schon bei 60 °C weich wird, sondern deutlich mehr aushält. Es hängt von der PLA-Sorte ab und davon, wie gut die Kristallisation gelingt.
Was das Tempern mit Maßen und Festigkeit macht
Bei der Kristallisation schrumpft das Material, meist um einige Prozent und ungleichmäßig. Dünne Wände und ebene Flächen können sich verziehen, Löcher werden kleiner und enge Toleranzen gehen verloren. Ein getempertes Teil ist oft härter, aber auch spröder.
Deshalb lohnt sich Tempern eher bei einfachen Formen, bei denen es auf ein paar Zehntelmillimeter nicht ankommt. Bei Baugruppen, die ineinandergreifen, ist es ein Risiko. Dann ist es einfacher, gleich ein Material mit höherer Hitzebeständigkeit zu wählen.
So tempert man zu Hause
Das Teil wird im Ofen oder in warmer Luft meist bei 80 bis 110 °C etwa eine halbe bis eine Stunde gehalten und dann langsam abkühlen gelassen. Damit es sich nicht verformt, packen es manche in Salz oder Sand. Die genauen Temperaturen unterscheiden sich je nach Filamenthersteller, suchen Sie sie im Datenblatt des jeweiligen Materials.
Das Vorgehen geschieht auf eigenes Risiko, und ein normaler Haushaltsofen ist dafür nicht ideal, weil die Temperatur nicht genau ist.
Tempern und Ihre Bestellung
Tempern ist sinnvoll bei einfachen, dickeren Teilen, die Hitze ausgesetzt sind, etwa ein Halter im Auto oder eine Abdeckung nahe einer Wärmequelle. Bei dünnwandigen, langen oder sehr präzisen Teilen ist das Verzugsrisiko größer als der Nutzen. Hilfreich sind auch Infill und Wandanzahl: Ein dickeres Teil lässt sich gleichmäßiger tempern.
Entscheiden Sie bei der Bestellung deshalb zuerst, ob das Teil wirklich mehr Hitzebeständigkeit braucht. Wenn ja, fragen Sie sich, ob es nicht einfacher ist, PETG zu wählen, das nicht getempert wird. Möchten Sie sich beraten lassen, schreiben Sie an jakub.novak@boostello.com.
Tempern bieten wir wie alle anderen Nachbearbeitungen nicht als Leistung an. Sie erhalten das Teil direkt aus dem Drucker. Muss das Teil Hitze aushalten, etwa im Auto oder an der Küchenzeile, ziehen Sie gleich PETG in Betracht, das ohne jede Behandlung mehr verträgt als PLA. Die Unterschiede finden Sie im Vergleich PLA und PETG.
Wollen Sie das Teil nach der Lieferung selbst tempern, bestellen Sie es etwas dicker oder probieren Sie es zuerst an einem Stück.
Häufige Fragen
Bei welcher Temperatur tempert man PLA?
Meist bei 80 bis 110 °C, also über dem Glasübergang von etwa 60 °C und unter der Schmelztemperatur. Der genaue Bereich hängt vom jeweiligen Filament ab.
Wird das Teil durchs Tempern größer?
Eher kleiner, um einige Prozent, und es kann sich verformen. Tempern Sie präzise Teile deshalb nicht ohne Test.
Tempern Sie selbst?
Nein, wir liefern die Teile so, wie sie aus dem Drucker kommen. Brauchen Sie mehr Hitzebeständigkeit, wählen Sie PETG.
Verwandte Begriffe
PLA
PLA (Polymilchsäure) ist das gängigste 3D-Druck-Material und wird aus pflanzlicher Stärke hergestellt. Es ist günstig, präzise und leicht zu drucken, hält aber keine Hitze über etwa 60 °C und kein dauerhaftes Sonnenlicht aus.
PETG
PETG ist ein zäher Kunststoff für den 3D-Druck und eng verwandt mit dem Material von PET-Flaschen. Im Vergleich zu PLA hält er mehr Hitze, Stöße und Feuchtigkeit aus und eignet sich daher für technische Teile und für draußen.
PLA vs PETG
PLA oder PETG ist die häufigste Wahl beim 3D-Druck. PLA ist präziser und reicht für das meiste im Innenraum, PETG ist zäher, hält mehr Hitze aus und eignet sich auch für draußen.
Glasübergangstemperatur
Die Glasübergangstemperatur (Tg) ist die Temperatur, bei der Kunststoff vom harten, festen in einen weichen, biegsamen Zustand wechselt. Bei PLA liegt sie bei etwa 60 °C, bei PETG bei etwa 80 °C.
Warping (Verzug)
Warping ist eine Verformung des Drucks, bei der sich Ecken und Ränder vom Druckbett abheben oder das ganze Teil krümmt, weil der Kunststoff beim Abkühlen schrumpft.
Toleranzen
Toleranzen beim 3D-Druck legen fest, um wie viel ein gedrucktes Maß vom Modell abweichen darf und wie viel Spiel zwischen Teilen bleiben muss, die ineinanderpassen sollen.
QuellenQuellen geprüft 01.11.2026, 3
- Annealing (materials science), Wikipedia, geprüft 2026-11-01
- Polylactic acid, Wikipedia, geprüft 2026-11-01
- Glass transition, Wikipedia, geprüft 2026-11-01
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